Cellulite und die psychische Belastung

yogagegenorangenhautLängst war meine Psyche so angekratzt, dass mir meine beste Freundin zu einer Therapie riet. Doch was sollte der Psychologe schon unternehmen? Die Cellulite konnte er nicht heilen und aus diesem Grund wies ich auch meine Freundin ab und zog mich immer weiter von ihr zurück. Wenn sie anrief, hatte ich entweder keine Zeit oder war plötzlich erkrankt. Mein Partner war nach 19 Jahren Beziehung weg und ich war mit meinem Sohn allein.

Doch auch er, der im Urlaub 17 Jahre alt geworden war, hatte andere Ziele und war lieber mit seinen Freunden, als mit seiner schlecht gelaunten Mutter unterwegs. Die Hausarbeit und der Job, der Garten und alles um mich herum wuchs mir über den Kopf. Ich würde heute noch so leben, hätte mein Kreislauf nicht eines Tages schlapp gemacht und meine Nachbarin hätte gesehen, wie ich beim Unkraut jäten im Garten zusammenbrach.

Als ich aufwachte, befand ich mich in einem mintgrünen Zimmer auf einem weißen Bett und alles um mich herum roch steril. Ich wusste nicht wo ich war und noch weniger, wie ich hierher gekommen bin. Die Tür ging auf und herein kam eine junge Frau in einem weißen Kittel und mit einem Papier in den Händen. Sie lächelte mich fürsorglich an und ich spürte, dass ihr Lächeln echt war. Haben Sie bereits erraten, wo ich mich befand? Ich war im Krankenhaus.

Es war nicht mein Kreislauf, sondern mein Herz das versagte und den psychischen Druck nicht mehr aushielt. Die junge Ärztin berichtete mir von Herzrhythmusstörungen und erwähnte mein Übergewicht, was nicht in geringem Maße dafür verantwortlich war. Sie setzte sich an mein Bett und sah mir in die Augen. Ihrem Blick entnahm ich, das sie mehr wusste, als sie zugab oder in Worte formte.

Als sie mir den Zettel aus ihrer Hand gab, erkannte ich in ihm eine Überweisung zum Psychologen. “Sie haben ein Problem”, flüsterte sie mir zu und strich sanft über meine Hand. Ich wusste, das ich ein Problem hatte, doch wollte ich es nicht wahrhaben. Auf längeres Zureden der Ärztin unterschrieb ich und noch am selben Tag hatte ich den ersten Termin beim Psychologen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Therapie half mir, wieder stärker zu werden und mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Die Dellen auf meinem Körper habe ich immer noch und was soll ich sagen: sie stören mich nicht mehr. Na gut, nicht mehr ist übertrieben. Aber ich habe gelernt, mit meinem Körper zu leben und mich so zu lieben, wie ich bin. All meine Gedanken und Selbstversuche haben sich als nichtig und wirkungslos erwiesen. Ich habe alles verloren, meine Beziehung und meine Arbeit aufs Spiel gesetzt, sogar meine Gesundheit auf eine harte Probe gestellt.

=>> Im Rückblick muss ich sagen, dass die Herzrhythmusstörungen und die schnelle Reaktion meiner Nachbarin das beste war, was mir zu diesem Zeitpunkt passieren konnte.

Ich bin geheilt. Nicht von der Orangenhaut, aber von den psychischen Problemen, die nicht durch die Cellulite, sondern durch meinen Drang zur Selbstoptimierung und Perfektion kamen.

Ich jogge regelmäßigIch ernähre mich gesund, gehe zum Sport und liege im Sommer auf meinem Sonnenstuhl im Garten. Auch heute spürte ich, vor allem wenn ich ins Schwimmbad gehe, zahlreiche Blicke auf mir. Doch anstelle mich daran zu stören, quittiere ich diese mit einem atemberaubenden und selbstbewussten Lächeln, sodass die Menschen gar keine andere Möglichkeit haben als zurück zu lächeln oder ihren Blick verlegen abzuwenden. In letzterem Fall lache ich, sodass sie mich hören und genau wissen, dass sie nicht mich, sondern nur sich selbst in eine peinliche Situation gebracht haben.

Kämpfen Sie mit Cellulite und finden keinen Ausweg aus dem Kreislauf, der Sie körperlich und psychisch beeinflusst und Ihnen die Lebensfreude nimmt?

Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung den Tipp geben: Nehmen Sie sich selbst nicht so wichtig und denken nicht, dass alle Welt nur auf Sie und die Dellen auf Ihrer Haut blickt. Es ist nicht an dem und der Gedanke entspringt Ihrer Phantasie.