Nachbetrachtung zu Weihnachten …

… oder wie die Wissenschaft den Mythos “Weihnachtsmann” entzaubert.

img_0671Kurz vorm Fest haben Wissenschaftler der Universität Göteburg ihre Betrachtungen zum geliebten Geschenkeverteiler veröffentlich. Das Wissenschaftsportal scinexx hat eine deutsche Zusammenfassung abgedruckt, die es auch uns ermöglicht, im nächsten Weihnachtsstress mit analytischem Verstand die Notwendigkeit des Genuss- und Präsenteaustauschmarathons abzuschätzen.

Der unmögliche Weihnachtsmann
Wissenschaftler analysieren den Gabenbringer und seine Lebensweise
Ein ungesunder Lebenswandel, schlechte Arbeitsbedingungen und dann
der Stress, 152 Millionen Weihnachtsgeschenke innerhalb von 24 Stunden
ausliefern zu müssen: Schwedische Forscher haben jetzt erklärt, warum
schon diese Extreme die Existenz des Weihnachtsmanns ziemlich
unwahrscheinlich machen würden.
Er ist ziemlich gut genährt, hat ein rötliches Gesicht, einen weißen
Bart, lebt am Nordpol und fährt mit einem Rentierschlitten umher um
Weihnachtsgeschenke auszuteilen – das ist das gängige Bild des
Weihnachtsmannes. Aber was steckt dahinter? Wissenschaftler der
Universität Göteborg haben jetzt Lebensweise und Gesundheitszustand des
Weihnachtsmannes einmal genauer unter die Lupe genommen. Denn vieles
ist hier nicht so wie es scheint.

 Lappland statt Nordpol 
Dem ersten Widerspruch ist Henrik Aronsson, Forscher in den Pflanzen-
und Umweltwissenschaften auf die Spur gekommen: Der Weihnachtsmann kann
nicht am Nordpol leben, denn dort gibt es keine Weiden für seine
Rentiere. Er muss stattdessen in Lappland beheimatet sein. Dort gäbe es
genügend frisches Wasser, Rentierflechten und Moose und natürlich
Rentierherden für ihn.

Der zweite Punkt ist der besorgniserregende Gesundheitszustand des
Geschenkebringers: Offensichtlich führen Stress, zu wenig Schlaf und
unregelmäßige Mahlzeiten nicht nur zu Übergewicht und ungesund roter
Gesichtsfarbe. Er leidet vermutlich auch unter zu hohen Blutfettwerten
und Bluthochdruck und damit unter einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt
und Schlaganfall. 

 Diabetes und Bluthochdruck
„Herr Santa Claus isst zu viel Zucker und Fett“, erklärt die
Ernährungswissenschaftlerin Mette Axelsen. Die in vielen Ländern
verbreitete Sitte, den Weihnachtsmann zu einem Gläschen Hochprozentigem
einzuladen oder ihm hochkalorische Süßigkeiten mit auf den Weg zu
geben, trage nicht gerade dazu bei, seine Gesundheit zu fördern.

„Ich bin sicher, ihm würde eine Behandlung sowohl gegen Diabetes als
auch gegen hohen Blutdruck gut tun”, so Annika Rosengren, Professorin
für kardiovaskuläre Medizin. „Und Cholesterin senkende Medikamente
würden vermutlich auch nicht schaden. Und als wenn das nicht genug
wäre, zeigen neue Forschungen auch, dass seine Leibesfülle ein
Risikofaktor für Demenz ist.“

 900 Hausbesuche pro Sekunde
Aber auch mit seinen Botenpflichten haben sich die Wissenschaftler
eingehend beschäftigt. Die Anzahl der Besuche hat der Mathematiker
Stefan Lemurell ausgerechnet: Es gibt zwar zwei Milliarden Kinder auf
der Erde, aber weil der Weihnachtsmann ja keine Moslems, Hindus, Juden
oder Buddhisten besucht, bleiben „nur“ noch rund 380 Millionen übrig.
Unter der Annahme, dass eine Durchschnittsfamilie 2,5 Kinder hat,
schätzt der Forscher, dass der Weihnachtsmann an Heiligabend rund 152
Millionen Hausbesuche absolvieren muss.

„Das entspricht 900 Besuchen pro Sekunde, wenn wir davon ausgehen, dass
der Weihnachtsmann seine Route strategisch plant und westwärts reist,
um die 24-Stunden-Periode auszudehnen“, so Lemurell. Denn westwärts
profitiert er von den Zeitzonen und folgt quasi der Sonne auf ihrem Weg.

 Abflug mit 14 Millionen g
Aber 900 Besuche pro Sekunde? Wie soll das gehen? Das hat sich auch die
Physikerin Maria Sundin gefragt. Ihre Kalkulation geht davon aus, dass
die Häuser durchschnittlich 100 Meter voneinander entfernt stehen und
Santa Claus natürlich jeweils Zeit braucht, um seinen Schlitten richtig
zu parken, den Schornstein hindurch zu steigen, die Geschenke zu
verteilen und sich dann noch den obligatorischen Schnaps oder
Reispudding einzuverleiben. Um trotzdem alle Besuche absolvieren zu
können, müsste sein Schlitten rund 90 Kilometer pro Sekunde schnell
fliegen – das entspricht dem 265fachen der Schallgeschwindigkeit.

„Um das zu erreichen müsste die Beschleunigung beim Start einen Druck
von 14 Millionen Mal der Erdschwerkraft erzeugen“, erklärt Sundin.
Piloten von Kampfflugzeugen werden normalerweise schon bei 7g
bewusstlos. „Als Physikerin würde es mich schon interessieren, wie der
Weihnachtsmann dieses Kunststück bewältigt. Das könnte zu bedeutenden
Durchbrüchen auf dem Gebiet des Weltraumflugs führen.“

 1,9 Millionen fliegende Rentiere
Und noch etwas kommt erschwerend dazu: Der Weihnachtsmann reist nicht
gerade mit leichtem Gepäck: Geht man davon aus, dass jedes Kind ein
Weihnachtsgeschenk von rund einem Kilo Gewicht bekommt, dann würde der
gesamte Geschenkeberg 380.000 Tonnen wiegen. „Ein Rentier kann bis zu
200 Kilo ziehen, das bedeutet, dass Santa Claus 1,9 Millionen Rentiere
braucht, um seinen Schlitten zu ziehen“, erklärt Stefan Nilsson,
Professor für Zoologie. „Dazu benötigt er noch ein paar zusätzlich für
Start und Landung.“

Dummerweise würde das Ausmaß von Schlitten und Geschenken kombiniert
mit dem Gewicht so viel Energie bei der Fahrt erzeugen, dass die
Gesundheit des Weihnachtsmanns und seiner Tiere ernstlich in Gefahr
wäre: „Die geschätzte Geschwindigkeit seiner Reise würde ihn und seine
Rentiere innerhalb von Millisekunden nach dem Start explodieren lassen
und vollständig verbrennen“, so die Physikerin Sundin.

Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Wenn man nach den harten
Fakten geht, ist der Weihnachtsmann ein Ding der Unmöglichkeit. Aber
wer behauptet schon, dass Weihnachten was mit Wissenschaft zu tun hat…

Verwandte Artikel

Kommentar schreiben

Die E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt. Felder mit * müssen ausgefüllt werden.

*

*