Treibstoff 2.0 - Bakterien füllen Autotanks

Seit Wochen Monaten veröffentlichen die Zeitungen ständig neue Preisexplosionen auf dem Rohölmarkt (z.B.: aktuell hier), die fieberhafte Suche nach Alternativen läuft parallel dazu. Ideen gibt es viele: Wasserstoff, Elektromotoren, Brennstoffzellen oder Ethanol sind nur einige Vorschläge. Doch bisher konnte sich keine Methode wirklich durchsetzte. Meist scheitert es an fehlender Infrastruktur, oft aber an zu geringer Speicherkapazität oder einem mangelhaften Wirkungsgrad. Am einfachsten wäre es, wenn alles beim alten bliebe. Wir behalten die bisherigen Motoren und können das bestehende Tankstellennetz nutzen. Aber dafür müsste ein unerschöpfliches Ölvorkommen zur Verfügung stehen. Die natürlichen Quellen werden früher oder später zur Neige gehen, daher müssen neue Wege der Ölherstellung gefunden werden. Forscher zweier Start Ups der Hightech-Hochburg Silicon Valley arbeiten an der Herstellung von Benzin aus Pflanzenabfällen mittels Bakterien. Das Biotech-Unternehmen LS9 arbeitet mit gentechnisch veränderte E.-Coli-Bakterien, ihr Konkurrent Amyris setzt auf modifizierte Hefepilze. Der Mikro- und Systembiologe Uwe Sauer (ETH Zürich und Berater von LS9) schätz die Qualität des erzeugten Öls als sehr hoch ein. Den durch Modifikation in der Synthese hat man die Möglichkeit, jede Qualitätsstufe zu produzieren, bei gefördertem Öl verändern Verunreinigungen stetig die Zusammensetzung.
Sollten sich diese Verfahren nach weiteren Tests als echte Alternative heraus stellen, bleibt nur die Frage nach der Produktionskapazität. Der Jahresbedarf der BRD lag 2007 bei ca. 750 Millionen Barrel. Laut LS9 können derzeit in einem 1000l Tank in einer Woche die Menge an künstlichem Öl produziert werden, die etwa 1 Barrel gefördertem Öl entspricht. Um also unseren Bedarf zu decken wäre eine Tankfläche von 53qm² notwendig.
Bleibt ab zu warten, wie sich die Forschungen entwickeln, aber auf den ersten Blick klingt es, als hätten die Investoren im Silicon Valley, wie schon bei Intel, Apple oder Google, das richtige Näschen gehabt.

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