Frühlingsgruß mit der Lizenz zum „Herzen-höher-schlagen-lassen“
Vor einigen Tagen habe ich beim Gärtner meines Vertrauens diesen kleinen Frühlingsgruß entdeckt. Obwohl da kalendarisch eigentlich noch Winter herrschen sollte, zeigt das Thermometer hin und wieder frühlingsgleiche Temperaturen und daher sinkt nicht nur bei uns der Anteil am „Schlafhormon“ Melatonin, sondern auch die ersten pflanzlichen Frühjahrsblüher verlassen die dunkle Erde und zeigen sich der Sonne. So auch das Maiglöckchen (Convallaria majalis). Es gehört zur Familie der Mäusedorngewächse und wird botanisch zu den Glockenblumen gezählt. Die eigentliche Blütezeit ist von April bis Juni und in den Hochsommermonaten Juli/ August kann man dann die roten Beeren sehen. Doch sollte man diesen zierlichen Boten der scheuen Zuneigung, wie es in der christlichen Symbolik genannt wird, nicht unterschätzen. Mit einem kleiner Strauß kann man zwar das Herz des Liebsten gewinnen und auch die Parfümindustrie hat mit der synthetischen Variante Bourgeonal den unverwechselbaren Maiglöckchenduft zugänglich gemacht, doch vor allem in der Medizin finden ihre digitalisähnlichen Glykoside verbreitete Anwendung. Solche Präparate enthalten meist Convallatoxin oder das mit einer zusätzlichen Glucoseeinheit ausgestattete Convallosid. Sie werden auf Grund ihrer Wirkung auf den Herzmuskel bei Herzinsuffizienz, d.h. dem Unvermögen des Herzens die benötigte Blutmenge für den Körper bedarfsgerecht zu transportieren, eingesetzt. Doch auch hier gilt, jede Heilpflanze kann ebenfalls als Gift wirken. So kann eine falsch dosierte Einnahme oder der Verzehr der Pflanzenteile zu Übelkeit, Erbrechen und verminderter Blutdruck führen. Der Tod wird meist durch Herzrhythmusstörungen ausgelöst. Obwohl in allen Pflanzenteilen die herzwirksamen Glykoside enthalten sind, weisen Samen und Blüten die höchste Konzentration auf. Ab fünf Beeren wird daher eine Giftentfernung empfohlen. Erste Schritte sind da gezieltes Erbrechen und die Einnahme medizinischer Kohle zur Giftreduktion. Insbesondere Unachtsamkeit kann zu ungewollten Vergiftungen führen. Gerade im Herbst, wenn keine charakteristischen Blüten und Beeren mehr an den Pflanzen wachsen, werden die Blätter oft mit denen des Bärlauchs verwechselt. Sie sehen sich sehr ähnlich und besiedeln oft die gleichen Biotope, allerdings besitzen Bärlauchblätter einen typischen Geruch nach Knoblauch. Also Vorsicht mit diesem Liebesboten: ansehen, den Duft riechen und die Medizin können das Herz zum freudigen schlagen bringen, aber durch den Magen sollte hier die Liebe nicht gehen.
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